Kategorie: Allgemein

  • Was ist das Grundbucherhebungsprotokoll?

    Was ist das Grundbucherhebungsprotokoll?

    Alle unsere Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter beginnen mit der Erfassung des sogenannten Grundbucherhebungsprotokolls. Der Begriff Grundbucherhebungsprotokoll klingt zunächst etwas sperrig — für unsere Arbeit ist diese Quelle jedoch zentral. Übrigens ein kleiner Insider: wir kürzen diesen elendslangen Begriff mit GEP ab.

    Doch wozu ist das Grundbucherhebungsprotokoll gut und weshalb starten wir genau mit dieser Quelle?

    Ein kleiner Exkurs in die Verwaltungsgeschichte

    Ähnlich wie in Tirol gab es in Vorarlberg im 18. und 19. Jahrhundert kein einheitliches Grundbuchsystem, sondern man behalf sich mit Verfachbüchern. Vor allem im 18. Jahrhundert wurden diese Bücher auch Vertragsprotokollbücher, Kopeibücher, etc. genannt. Infolge der napoleonischen Unruhen im frühen 19. Jahrhundert kam Vorarlberg für knapp ein Jahrzehnt unter die Herrschaft des neuen Königreichs Bayern. Überspitzt könnte man sagen, dass diese Zeit eine riesige administrative Reform für Vorarlberg nach sich zog. Zuvor war das nunmehrige Bundesland in verschiedene Herrschaften zerteilt, die sich meist, jedoch nicht ausschließlich, unter habsburgischer Verwaltung befanden. Jedes Gericht bzw. jede Herrschaft hatte ihr eigenes System. Diese Verwaltungssysteme wichen zwar nicht allzu sehr voneinander ab, dennoch sind Unterschiede in Quellenführung und Überlieferung spürbar.

    Das Verfachbuch

    Das Verfachbuch, in anderen europäischen Gegenden auch Briefsprotokoll genannt, hatte unter anderem die Aufgabe Eigentümerwechsel, Schuldverschreibungen (Hypotheken, Darlehen) und Löschungen zu dokumentieren. Darüber hinaus wurden auch Servituten (Dienstbarkeiten) und fallweise auch Verlassenschaften bzw. die dazugehörigen Einantwortungen eingetragen. Die Verfachbücher waren in der Regel nicht nach Ortschaften, sondern nach ganzen Gerichtsbezirken gegliedert. Die Verträge wurden nicht nach Errichtungsdatum, sondern nach Einlaufdatum, dem Eingangsdatum beim Gericht, geordnet und zu jahresumfassenden Bänden gebunden. Die Verbücherung eines Vertrages wurde Verfachung genannt.
    Die Suche darin ist äußerst mühsam, da es im Wesentlichen keine nennenswerten Normen oder Vorgaben zur Führung der Bücher gab. Oft behalf man sich mit Indizes, wenngleich diese zwar die Sucharbeit erleichterten, blieb die Arbeit dennoch äußerst zeitraubend. An dieser Stelle wird nicht näher auf das Verfachbuch eingegangen, da dies einem späteren Artikel vorbehalten bleibt.

    Der Weg zum Grundbuch

    Vorarlbergs Weg zum Grundbuch war kein leichter. Während in anderen Teilen der Monarchie ein entsprechendes System bereits sehr früh etabliert war, rang der Bregenzer Landtag lange Zeit um die Einführung des Grundbuchs. Mit dem Gesetz über die Anlegung der Grundbücher und der inneren Einrichtung derselben vom 1. März 1900 war der Weg für das Grundbuchsystem geebnet. Die Verfachbücher wurden verfahrensorientiert und nicht wie die Grundbücher nach Grundbuchskörpern geführt. Deshalb mussten zunächst die Eigentümerinnen und Eigentümer jeder Liegenschaft innerhalb einer Katastralgemeinde festgestellt werden.

    Die Grundbucherhebung

    Langsam nähern wir uns wieder unserem sperrigen Ausgangsbegriff. Für einen ganzen Gerichtsbezirk oder für einzelne Gemeinden mussten sogenannte Grundbuchsanlegungs-Comissäre bestellt werden, die ausschließlich richterliche Beamte sein durften. Der Grundbuchanlegungs-Comissär musste einen beeideten Schriftführer hinzuziehen. Der Kommissar musste vorbereitend ein vollständiges Verzeichnis aller Parzellen und Eigentümer einer Katastralgemeinde einholen.

    Die Grundbucherhebung musste vor Ort stattfinden, dafür wurde ein bestimmter Tag festgesetzt und in Zeitungen kundgemacht. Alle Eigentümerinnen und Eigentümer wurden angehalten bei dem Termin vorstellig zu werden und mittels Urkunden ihren Besitz auszuweisen. Jene, die in der betreffenden Katastralgemeinde ihren Wohnsitz hatten, wurden durch den Vorsteher (Bürgermeister) darüber informiert. An alle, die außerhalb der Katastralgemeinde lebten, ergingen schriftliche Vorladungen. Die jeweilige Gemeindevertretung konnte zwei sachkundige Männer bestimmen, die dem Kommissar als Auskunfts- und Vertrauenspersonen zur Seite standen. Im Wesentlichen bestand das Ziel in der richtigen und vollständigen Verzeichnung der gesamten Besitzverhältnisse und Dienstbarkeiten innerhalb einer Katastralgemeinde. Zudem mussten aus den vielen einzelnen Parzellen Grundbuchskörper gebildet werden. Die Erhebungen fanden in öffentlichen Gebäuden wie Amts-, Schul- oder Wirtshäusern statt (vgl. Landesgesetzblatt für Tirol und Vorarlberg 1900, Nr. 18).

    Der gesamte Vorgang der Grundbucherhebung musste schriftlich dokumentiert werden. Dies geschah mit dem Grundbucherhebungsprotokoll, in dem Liegenschaften samt Servituten und Erwerbsnachweisen in Besitzbögen eingetragen wurden. Nach Abschluss der Arbeiten gab es jeweils eine Einspruchsfrist beim Realgericht (Bezirksgericht) oder beim Grundbuchanlegungs-Comissär. 

    Ein interessanter Fakt am Rande: Obwohl mit der Grundbucherhebung bereits 1901 begonnen wurde, fand sie erst 1952 mit der Gemeinde Mittelberg ihren Abschluss.

    Welche Daten wurden nun erhoben?

    Die Besitzbögen liefern uns mehrere spannende Informationen. Einerseits beinhalten sie allgemeine Daten wie:

    • Gliederung der Adressen innerhalb einer Gemeinde (z.B. nach Fraktionen, Straßennamen, lediglich Hausnummern, etc.)
    • Einlagezahlen der neu gebildeten Grundbuchkörper, um sich im Grundbuch leichter zurechtzufinden
    • Besitzer laut dem Grundsteuerkataster
    • Besitzer aufgrund der Erhebung
    • Eigenname des Hofes (Hofname)

    Über die Besitzer erhält man indes weitere Angaben:

    • vollständiger Name
    • Anschrift der Besitzer
    • ggf. Übername
    • bei minderjährigen Personen, die Angabe, dass diese minderjährig sind
    • Witwen werden explizit als solche ausgewiesen

    Überdies enthält der Besitzbogen über die Liegenschaften folgende Informationen:

    • Angabe des Kartenblatts aus dem Grundsteuerkataster (Urmappe), worauf sich die Liegenschaft befindet
    • Benennung des Riedes (Gegend bzw. Flurname), in dem sich die Liegenschaft befindet unter Angabe des im Grundsteuerkataster verwendeten Riednamens
    • Benennung des Riedes im Volksmunde
    • Parzellennummer mit Angabe, ob es sich um eine Bauparzelle (Gebäude) oder eine Grundparzelle handelte
    • Bezeichnung der Parzelle samt Kulturgattung
      hier wurde die Adresse des Hauses angegeben, ob sich ein Stall auf der Parzelle befand oder ganz allgemein welche Funktion ein Gebäude hatte (z.B. Postamt, Gasthaus, Waschküche, etc.)
    • Angabe über den Grundbuchkörper, zu der die Liegenschaft gehört

    Sofern alle Angaben richtig waren, wurde dies mit einem entsprechenden Stempel vermerkt. Danach folgte die Erhebung der Eigentumsrechte. Dies konnte ein Vertrag alle Liegenschaften umfassen oder es konnten auch mehrere Verträge für eine Liegenschaft gelten. Diese Angabe bezieht sich immer auf den letzten Vertrag im Verfachbuch (in Ausnahmefällen wie laufenden Verlassenschaftsvefahren oder dergleichen bezog man sich auf die entsprechende Geschäftszahl). Bei mehreren Besitzern wurden auch die Eigentumsverhältnisse (Anteile) angegeben.

    Anschließend wurden die Dienstbarkeiten wie Wege- und Wasserrechte angeführt. Zuletzt unterschrieben dann sowohl Vertrauensmänner als auch Antragsteller (Eigentümer) den Besitzbogen.

    exemplarische Ansicht eines Besitzbogens – Foto: privat

    Wieso ist das Grundbucherhebungsprotokoll so wichtig für us Holz und Schtaa?

    Das Grundbucherhebungsprotokoll ist deshalb sehr wichtig für us Holz und Schtaa, weil es die Schnittstelle zwischen Verfach- und Grundbuch bildet. Es ist eine systematische Zusammenstellung aller Liegenschaften innerhalb einer Katastralgemeinde und führt jeweils den letzten Vertrag bzw. die letzte Verfachung an. Nach Abschluss der Erhebung und Eröffnung des Grundbuches konnten in der Katastralgemeinde keine Rechtsgeschäfte mehr über das Verfachbuch abgewickelt werden.

    Das Grundbucherhebungsprotokoll ist zugleich für uns die jüngste Quelle, die wir im Projekt erfassen. Dank der Angabe der Einlagezahl, ist es nachher für jede und jeden möglich selbständig beim Bezirksgericht im Grundbuch die Besitzfolge weiter in die Gegenwart zu verfolgen.

    Da das Verfachbuchsystem uneinheitlich organisiert war, bietet us Holz und Schtaa einen niederschwelligen Zugang sowie einen einfachen Überblick über die wichtigsten historischen Eigentumsverhältnisse von Häusern.

  • Ein tragischer Unfall in Gantschier

    Ein tragischer Unfall in Gantschier

    Eine Akte des k.k. Landgerichts Montafon aus dem Jahr 1835 erzählt von einem dramatischen Ereignis, das sich im Oktober desselben Jahres in Gantschier bei der Familie Walter abspielte.

    Maria Katharina Wachter (1807–1868) und ihre nicht näher erwähnte Schwester waren mit der Herstellung von Branntwein beschäftigt. Der dazu notwendige Brennofen befand sich auf der gegenüberliegenden Seite des Mühlbachs. Um den Bach überqueren zu können, legten sie ein 15 Zoll breites Brett als Steg über das Wasser. Während die Mutter ihrer Arbeit nachging, wurde sie stets von ihrem ältesten Kind, Maria Elisabeth Walter (1830–1835), begleitet.

    Als abends die Dämmerung einsetzte, beendeten die Frauen ihre Arbeit und brachten die Brennutensilien, die sie bei der Nachbarsfamilie Trinkwälder ausgeliehen hatten, zurück. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich die vierjährige Elisabeth, ihr jüngerer Bruder Johann Josef Alois (1834–1904) und ihre erst vier Wochen alte Schwester Maria Rosalia (1835–1916) in der Stube auf.

    Als die Schwestern von den Nachbarn zurückkehrten, fanden sie Elisabeth nicht mehr im Haus. Sie begaben sich auf die Suche und entdeckten das Kind schließlich beim sogenannten Rechen des Mühlbachs – leblos im Wasser treibend. Alle Versuche, das Mädchen wiederzubeleben, blieben erfolglos.

    Am 15. Oktober 1835, gegen sieben Uhr morgens, erschien Alois Wachter aus Bartholomäberg beim Landrichter Johann Widerin in Schruns, um den tragischen Tod seiner Enkelin zu melden. Daraufhin leitete das Landgericht unverzüglich eine Totenbeschau ein, an der der Gerichtsarzt Dr. Josef Huber sowie der Wundarzt Anton Makloth teilnahmen.

    Der Leichnam, nur mit einem Hemd bekleidet, war auf der Stubenbank aufgebahrt. Damit die Mutter, Maria Katharina Wachter, die Obduktion nicht mitansehen musste, wurde der Körper in das Vorhaus gebracht. Laut Akte sträubte sich die Mutter zunächst gegen die Untersuchung und musste sich, völlig bestürzt über den Tod ihres ältesten Kindes, in einer Nebenkammer niederlegen.

    Der Obduktionsbericht beschreibt den äußeren und inneren Zustand des Körpers in großer Detailtiefe – Einzelheiten seien an dieser Stelle ausgespart. Die beiden Obduzenten kamen zu dem Schluss, dass der Tod auf Ertrinken zurückzuführen war. Das Gericht erkannte schließlich, dass kein Fremdverschulden vorlag.

    Visualisierung der im Artikel behandelten Schauplätze
    Herkunft: privat

    Fazit

    Das Projekt „us Holz und Schtaa“ widmet sich der systematischen Erfassung der Haus- und Besitzgeschichte im südlichen Vorarlberg und macht diese Informationen in einem geografischen Informationssystem öffentlich zugänglich.

    Die Erhebung von Hausgeschichtsdaten wirkt auf den ersten Blick oft starr und statisch. Wir finden Namen, Jahreszahlen und viele verschiedene Zahlenreihen – doch hinter all diesen Daten verbergen sich Lebensgeschichten und Schicksale. Dieser kurze Beitrag zeigt, wie das Zusammenspiel verschiedener Quellen die Erhebungen von us Holz und Schtaa mit Leben füllt. Dank der Informationen aus dem Hausgeschichtsprojekt konnten die erwähnten Schauplätze eindeutig lokalisiert und das historische Ereignis in Gantschier greifbar gemacht werden.

    Quellen

    Vorarlberger Landesarchiv (VLA), LG Montafon A 01993
    Beitragsbild: CC BY 4.0, Foto: Sammlung Air Color, Vorarlberger Landesbibliothek (O:397217) / Haus der Familie Walter / Wachter

  • Wer sind die Köpfe hinter dem Projekt „us Holz und Schtaa“?

    Wer sind die Köpfe hinter dem Projekt „us Holz und Schtaa“?

    Der Vorstand des Trägervereins hinter dem Projekt „us Holz und Schtaa“ freut sich, sich euch persönlich vorstellen zu dürfen.

    Fabio Curman
    Obmann

    Ich bin Fabio und beschäftige mich seit meinem 14. Lebensjahr leidenschaftlich mit der Erforschung meiner Familiengeschichte – mit einem besonderen Fokus auf den mitteleuropäischen Raum.

    Einen Teil meiner Ausbildung absolvierte ich an der HTL Dornbirn mit dem Schwerpunkt Betriebsinformatik. Daher war meine Mitarbeit am Projekt „us Holz und Schtaa“ beinahe vorprogrammiert – hier kann ich meine Stärken in Technik und Organisation sowie mein geschichtliches Wissen optimal einbringen. Beruflich bin ich im öffentlichen Dienst tätig und begleite Menschen bei bedeutenden Momenten ihres Lebens. Ansonsten engagiere ich mich auch sehr stark in der Dompfarre Feldkirch und übernehme regelmäßig verschiedene liturgische Dienste.

    Die Verbindung historischer Daten mit moderner Technologie fasziniert mich besonders. Neben meiner Funktion als Obmann des Trägervereins sorge ich auch dafür, dass die Technik im Hintergrund reibungslos funktioniert. Es ist mir ein großes Anliegen, durch laufende Optimierungen und neue Impulse das Beste aus unserem Projekt herauszuholen. Ich bearbeite ebenfalls Gemeinden und schule gemeinsam mit Marcel unsere Projektmitarbeiter.


    Marcel Maister
    Obmann Stellvertreter

    Ich heiße Marcel. Mein Weg zum Projekt „Us Holz und Schtaa“ begann nicht zufällig – seit 2005 beschäftige ich mich leidenschaftlich mit Familien- und Regionalgeschichte. Ich arbeite als Bauleiter und Vermesser in einem Ingenieurbüro in Liechtenstein. Durch diese Arbeit bin ich auch mit Gis-Systemen vertraut.

    Neben meiner beruflichen Tätigkeit engagiere ich mich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr Nenzing, wo ich als Jugendleiter, Chronist und Archivar aktiv bin. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern habe ich 2021 als Co-Autor unser erstes Buch „Löschwesen in Nenzing – von den Anfängen bis in die jetztzeit“ veröffentlicht. Seit 2022 bin ich einer der beiden Projektleiter und Gründer des regionalhistorischen Dokumentationsprojekts „Us Holz und Schtaa“.

    Im Verein übernehme ich verschiedene Aufgaben. Ich kümmere mich um unsere GIS-Plattform, auf der wir Daten sammeln und verwalten. Ich gebe auch Schulungen und helfe bei der Recherche, Digitalisierung und Georeferenzierung von historischen Informationen. Auch das Schreiben und Recherchieren für unsere Blogbeiträge gehört zu meinen Tätigkeiten. In meiner Rolle als stellvertretender Obmann begleite ich auch die Aufgaben rund um unseren Trägerverein – gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen bringen wir das Projekt voran.


    Florian Bliesath
    Kassier

    Mein Name ist Florian. Mein Weg in den Vorstand von „us Holz und Schtaa“ würde ich als ungewöhnlich bezeichnen, da ich selber nicht aktiv Forsche und auch keine Erfahrungen im Forschen habe. Meine Stärke und meine Interesse liegt eher in der Welt des Prozess & Projektmanagements und in der Welt der (Kenn)Zahlen – darum bin ich in unserem Verein mit der Aufgabe des Kassier’s betraut.

    Beruflich arbeite ich als Personalreferent in einem großen Unternehmen. In meiner Freizeit engagiere ich mich ebenfalls wie Marcel aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr Nenzing, bei der ich auch einige Funktionen bekleide.

    Ich unterstütze den Verein zwar nicht aktiv beim Forschen, bringe aber meine Kenntnisse in anderen Bereichen wie dem Prozess und Projektmanagement ein. Genau das ist auch das, was unseren Verein von anderen abhebt – die Freiheit, das zu tun, was man gerne macht.


    Abraham Hartmann
    Schriftführer

    Viele Errungenschaften die für uns heute als Selbstverständlichkeit gelten, fußen auf dem Fleiß und der harten Arbeit unserer Ahnen. Während das geistige Erbe nur schwer fassbar ist, können die heute noch bestehenden alten Häuser uns mit ein wenig Fantasie auf eine Zeitreise mitnehmen und auf diese Weise die Vergangenheit wieder lebendig werden.

    Im Frühjahr 2024 habe ich im Rahmen der IGAL erstmals vom Projekt us Holz und Schtaa erfahren. Angesteckt von der Begeisterung der beiden Gründer Fabio und Marcel habe ich mich gerne bereit erklärt dem Verein als Schriftführer beizutreten. Wie ich meine, können die beiden Gründer mit stolz auf die noch kurze Vereinsgeschichte zurückblicken. Sie haben eine Plattform geschaffen, die in naher Zukunft ein umfangreiches Lexikon der Häusergesichte unserer Region bieten wird. Um die Daten aufzubereiten, waren die beiden Dauergäste im Landesarchiv. Sie haben tausende Seiten der Verfachbücher abfotografiert und stehen den Vereinsmitgliedern nun als Datengrundlage zur Verfügung. Als Informatik-Laie kann ich über das know-how das für den Betrieb einer solchen Seite notwendig ist nur staunen und bewundere die bisher geleistete Arbeit.

    Meine persönliche Motivation beim Verein mitzuwirken, geht auf das Jahr 2018 zurück. Damals hat sich die Möglichkeit ergeben das Stammhaus unserer Familie in Ludesch zu bewohnen. Soweit sich die Ahnenreihe zurückverfolgen lässt, wurde dieses Haus von der Familie Hartmann genutzt. Da an dem Haus über Jahrzehnte keine nennenswerten Renovierungsarbeiten mehr durchgeführt wurden, war ein erheblicher Aufwand notwendig, um die Räume wieder wohnlich zu gestalten. Dabei konnte ich mir „eigenhändig“ ein Bild von der Entstehung des Hauses und den unterschiedlichen Bauetappen machen.


  • Wenn Geschichte digital wird

    Wenn Geschichte digital wird

    Man muss das Rad nicht neu erfinden – dieses Sprichwort kennen die meisten von uns sehr gut. Genau an diesem Punkt setzt us Holz und Schtaa an. Unsere Philosophie: Forschungen einmal durchführen, nach klaren, standardisierten Kriterien dokumentieren und anschließend allen interessierten Menschen zugänglich machen. Denn es wäre doch höchst ineffizient und unwirtschaftlich, wenn verschiedenste Personen immer wieder dieselben Schritte neu gehen müssten.

    Immer öfter setzen Archive auf Digitalisierungsprojekte – und das aus gutem Grund: Fehlt es an geeigneten Konzepten, bleiben wertvolle Daten ungenutzt. Damit Informationen nicht nur gesichert, sondern auch lebendig und nutzbar werden, braucht es durchdachte Lösungen zur digitalen Aufbereitung und Vermittlung. Das Verfachbuch – eine beeindruckende Quelle für Besitz- und Hausgeschichte – veranschaulicht diese Problematik besonders deutlich: Ohne eine strukturierte Aufbereitung bleiben die darin enthaltenen Informationen verborgen – wie lose Puzzleteile, die ihr Gesamtbild noch nicht entfalten können.

    Darüber hinaus möchten wir unsere Faszination für Regionalgeschichte weitergeben und aufzeigen, wie überraschend, vielseitig und lebendig diese eigentlich sein kann. In allen Bereichen des Lebens sind wir damit konfrontiert, wie wir Wissen erhalten und weitergeben können. Wir sind davon überzeugt, dass die Verschneidung historischer Daten mit digitalen Tools einen langfristigen Mehrwert bietet, damit auch zukünftige Generationen von diesem Wissen profitieren. Da wir auf starke Beteiligung aus der Bevölkerung setzen, unterhalten wir auch ein buntes Netzwerk an Historiker:innen, Archiven, Museen und an der Geschichte interessierten Menschen. Der gegenseitige Austausch fördert das Bewusstsein für regionale Kulturgeschichte und bietet Potenzial zur Bildung neuer Initiativen.

    Ebenso ist uns die Digitalisierung alter Dokumente, Unterlagen und Bücher ein Anliegen. Neben dem barrierefreien Zugang zu historischen Quellen schont das Arbeiten mit digitalen Bildern langfristig die Originalquellen vor Beschädigungen. Zudem bietet die moderne Technik Möglichkeiten, mit Hilfsmitteln wie Texterkennung die Bilder besser durchsuchbar zu machen.

    Die Beweggründe zur Nutzung von us Holz und Schtaa sind vielfältig. Neben Geschichtsforschenden erkennen wir großes Potenzial für den Tourismus, für regionale Traditionsunternehmen sowie für heimatverbundene Menschen. Die von uns bereitgestellten Informationen ermöglichen eine intensivere Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte – und stärken damit die Identifikation mit der Region und ihrem kulturellen Erbe.

    Mit us Holz und Schtaa schaffen wir eine Plattform, auf der regionales Wissen nicht nur bewahrt, sondern aktiv zugänglich gemacht und weitergedacht wird.

  • Auf Spurensuche in Vorarlbergs Hausgeschichte

    Auf Spurensuche in Vorarlbergs Hausgeschichte

    Stell dir vor, du spazierst durch eine kleine Ortschaft in Vorarlberg. Immer wieder kommst du an alten Gebäuden vorbei – manche sind aus Holz, andere aus Stein. Oft nehmen wir sie gar nicht wirklich wahr, denn sie gehören einfach zum Ortsbild in Vorarlberg dazu. Doch hast du dich schon einmal gefragt, welche Geschichte hinter den Häusern steckt? Wem gehörten sie? Wie lebte man früher darin? Wann wurden sie gebaut?

    Wir von „us Holz und Schtaa“ haben es uns zur Aufgabe gemacht, einigen dieser Fragen auf den Zahn zu fühlen. Der Name unseres Projekts verrät in gewisser Weise schon, worum es gehen könnte: Wir interessieren uns für die Geschichte historischer Gebäude in Vorarlberg. Unser Hauptthema ist die Erforschung und Dokumentierung aller Hauseigentümer, vorwiegend im 19. Jahrhundert.

    Um dieses Ziel erreichen zu können, benötigen wir einige alte Unterlagen aus verschiedensten Archiven. Zu den wichtigsten Dokumenten zählen das Grundbucherhebungsprotokoll (um 1900), der Franziszeische Kataster (um 1857), der Bayerische Steuerkataster (um 1810) und natürlich das Verfachbuch – letzteres könnte man als den Vorgänger des Grundbuchs in Vorarlberg bezeichnen.

    Aus diesen Informationsquellen ziehen wir die wichtigsten Details zusammen und erfassen sie systematisch mithilfe vordefinierter Formulare. Das Ergebnis? Für jedes Haus wird ein umfassender Bericht erstellt, der genau aufzeigt, wann welches Haus wem gehörte. Neben diesen Fakten können die Berichte auch durch (historische) Bilder und Anekdoten ergänzt werden.

    Geschichte geht uns alle etwas an, und genau deshalb sind wir davon überzeugt, dass unsere Forschungsergebnisse über unser Kartenportal kostenlos allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden sollten. Von diesem Gedanken getragen verfolgen wir auch ein starkes Beteiligungsprinzip – jede und jeder kann mitmachen. Schon ein Foto aus dem Familienalbum, eine alte Geschichte vom Großvater oder ein paar Stunden Mithilfe bei der Digitalisierung können wertvoll sein. Wir freuen uns über jede Unterstützung – denn gemeinsam bewahren wir ein Stück Vorarlberger Geschichte und machen diese für alle frei zugänglich

    Unser Kartenportal im Internet – Aufnahme des Ortszentrums von Thüringen (Vorarlberg)

    Bildnachweis für das Titelbild: Sammlung Risch-Lau, Vorarlberger Landesbibliothek

  • Hallo Welt!

    Hallo Welt!

    Das Projekt „us Holz und Schtaa“ freut sich, spannende Einblicke und Erkenntnisse nun auch über einen Blog mit euch teilen zu können. Hier findet ihr Geschichten rund um Vorarlbergs historische Gebäude, faszinierende Besitzgeschichten und Einblicke in unsere Forschungsarbeit.

    Unsere Leidenschaft für die regionale Geschichte ist groß, und wir möchten euch auf unserer Reise mitnehmen, Vergessenes wieder ans Licht zu bringen und die Identität unserer Heimat zu bewahren. Ob persönliche Anekdoten oder neue Entdeckungen – unser Blog bietet eine Plattform, um die Ergebnisse unserer Arbeit lebendig und greifbar zu machen.

    Schaut vorbei, stöbert und lasst euch von der Vielfalt der Geschichten inspirieren!